The Night Shi(f)t Teil 1 – Beziehungszeugs

The Night Shi(f)t Teil 1 – Beziehungszeugs

Short-Info: Beginn einer dreiteiligen Beitragsreihe über meine ersten beiden Nachtschichten in der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Subplot: Beziehungskrise, getriggert durch eine Kleinigkeit.

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Nachtschichten sind eigentlich kein Neuland für mich. Im Marketing, wo es täglich von 8 bis 20 Uhr ging, konnte man sich herrlich in Konfrontation mit Deadlines und plötzlichen Kundenwünschen die Nächte um die Ohren hauen. Kann ja alles nicht warten. Dann noch ein paar Messepartys, Kundenessen und spät nachts durch Deutschland tingeln, weil man lieber daheim sein will als nochmal in einem Hotel zu pennen. Kostet die Agentur ja auch was.

Nächte durcharbeiten gehörte dazu. Man wurde gezwungen und zwang sich selbst. Offizielle Nachtschichten, so richtig vertragsseitig, tariflich geregelt, die sind mir völlig neu. Hiervon hatte ich jeweils Montag und Dienstag meine Ersten im Krankenhaus. Und keine Ahnung, was zu tun. Da bin ich totaler Anfänger. Dazu noch in der Notfallambulanz, wo man sich die wildesten Storys zusammenfantasiert und bereits tagsüber genügend heftigeres Material gesehen hat.

Jeder sagte mir, Schichtarbeit macht kaputt. Als ich sagte, ich wolle in der Krankenpflege arbeiten, wurde ich explizit davor gewarnt. Ich hatte mich bewusst dafür entschieden, dachte, das wird schon, ohne zu erahnen, auf was ich mich einlasse. Eigentlich hätte ich entspannt an die Sachen rangehen sollen, ich bin ein Nachtmensch (einer, der lustigerweise die Sonne liebt). In meiner typischen Art erlag ich meiner Nervosität, der Angst vor allem Neuen, und wurde schwach …

Samstag, 03.03.18 – Vorbereitung

Um 9.30 wach geworden, um 10 Uhr aufgestanden. Meine Freundin lag neben mir, nachdem wir uns wegen meines Arbeitsblocks von elf Tagen nicht sehen konnten. Wir machten uns fertig für unser rituelles Sushi-Buffet bei unserem Lieblings-Asiaten.

Ich war sehr empfindlich, wurde wütend auf Oma, die sich weigerte, ihre Hände einzucremen und korrekt zu pflegen, obwohl sie durch das Wetter an vielen Stellen blutig gerissen waren und sie darunter litt (manchmal habe ich das Gefühl, Oma benutzt ihre Wunden für Aufmerksamkeit).

Vor dem Auto meiner Freundin – ist doch klar, dass ich mich chauffieren lassen – wollte ich nicht durch eine dünne Schicht Schnee latschen und bat sie lächelnd, ein Stück rauszufahren. Sie weigerte sich. Ich sagte ihr, ich würde, wie schon so oft, schauen, ob suizidale Radfahrer ihren Rückwärtsgang ausnutzen würden. Ihr Blick wurde hart, sie schrie durch das geschlossene Fenster, dass ich gefälligst einsteigen solle oder sie gleich heimfahren könne. Das triggerte mich. Sie ist Lehrerin und spielt nicht selten dessen negativen Stereotyp in die Hände, indem sie laut wird. Es wurde zum Machtkampf, was sie selbst offen an mir kritisierte, aber selbst noch weiter befeuerte. Ich war, wie gesagt, sehr empfindlich. Ich konnte nicht mit meiner früheren Gelassenheit reagieren. Ich stieg ein und wurde irgendwie kleinlaut. Sie fragte, was das denn soll und was für ein Mist das wäre und wiederholte, dass sie genau so gut heim könne. Diesen Vorschlag des Heimfahrens unterstützte ich, worauf sie den Lenker sofort einschlug.

Die zweite Linkskurve verpasste sie, was die Rückfahrt zu meiner Wohnung und zu ihrem Gepäck verlängerte. Nutzte die zusätzliche Zeit, über das gerade passierte nachzudenken. Mir graut es vor dem Verteilen von Schuld in einer Liebesbeziehung, ich mag und möchte das nicht, also gab ich ihr keine Schuld. Aber ich war sauer. Was zum Fick bildete sie sich ein mich anzuschreien? Vor allem in Anbetracht dessen, wie hochemotional sie reagiert, wenn ich auf sie mit festerer Stimme eingehe (etwas, das sie ab und an provoziert hat, das ich jedoch unter Kontrolle bekam). Ihre Tränen fließen schnell, schneller als sie durch die Autobahn rast.

Empfand die Stimmung, als sie ihre Sachen bei mir packte, natürlich als sehr unangenehm. Ich fragte mich nochmal, wie es so weit kommen musste. Ich wollte ein entspanntes Wochenende zu zweit, Unterstützung bei der Vorbereitung zu meiner Nachtschicht, Filme sehen, spazieren gehen, neben einem Mädchen, das ich liebe, einschlafen. Dieses Mädchen wollte sich nicht beim Tragen ihrer Sachen helfen lassen – was sonst immer der Grund für miese Stimmung war, wenn ich paschamäßig nicht mit anpackte – und musste mit vollen Händen zusehen, wie ihr Lederkulturbeutel in eine schwarze Pfütze am Straßenrand fiel. Dieser Lederkulturbeutel war ein Sinnbild unserer Beziehung und ich hielt den Aufwand für zu groß, ihn einfach wieder sauber zu machen. Sie fluchte, wischte einmal grob drüber und warf ihn in den Kofferraum.

Statt den direkten Weg auf die Autobahn zu nehmen, hielt sie in der nächsten Gemeinde und folgender Dialog wurde in WhatsApp von ihr angestoßen:

Sie: Ist grad mehr als dumm gelaufen. Wenn du willst, dass ich wegen so ner Kleinigkeit heimfahr, dann mach ich es. Aber den schwarzen Peter kannst du mir dieses Mal nicht zuschieben. [Anm.: Ich weiß nicht, was sie mit „dieses Mal“ meint. Ich versuche immer so wenig wie möglich in einer Liebesbeziehung Schuld zuzuweisen. Freilich passieren auch  mir da Fehler.]

Roger: Ich will ihn dir nicht zuschieben will. Es geht nicht um Schuld, das geht es mir meistens nicht.

Sie: Aber dir ist es unmöglich mit mir jetzt essen zu gehen

Roger: Die ganze Dynamik hier war komplett gaga. Der Humor war weg.
Wir beide wollen uns nicht herumkommandieren lassen, aber kommandieren. Das ist echt schwierig.

Sie: Aber trotzdem können wir nicht essen? Abhaken  und gut is?
Ich hab Megahunger

Roger: Ich auch. -_-

Sie: Und du stehst zwischen mir und Sushi
Und da sollte niemand stehen!
Auch ich nicht
Hab mich lieb und dann gibts Essen! [Anm.: Es besänftigte mich, dass sie wieder den Humor in die Interaktion zurückbrachte. Sie ist eine von wenigen, die mich aktiv zum unverstellten Lachen bringen können.]

Roger: Wir machen das jetzt fest aus:
Wir beiden gehen essen.

Sie: Dann fahr ich zu dir. Vorher gibts nen fetten Schmatzer

Roger: Aber danach, egal wie es läuft, egal wie gut die Stimmung ist, danach fährst du heim. Ist das annehmbar für dich? [Anm.: Sie konnte mich in der Vergangenheit zu vielen Dingen überreden bzw. meine Entscheidungen aushebeln, von denen ich eigentlich überzeugt war. Diese männliche Inkonsistenz halte ich für Gift in einer Beziehung und sowohl eine Verarschung gegenüber sich selbst als auch dem Partner. Ich wollte mit der Bedingung, dass sie danach fährt, konsistent bleiben und ihrem Verhalten eine Konsequenz aufzeigen, da das nicht zum ersten Mal passierte. Man könnte das als Sturheit und/oder Bestrafung einordnen. Für mich war es eine wichtige Aktion, die Umrisse meiner Persönlichkeit für sie klarer zu machen und noch einmal Grenzen aufzuzeigen.]

Sie: Wie du meinst

(…)

Roger: Ist das auf einer rationalen Eben annehmbar für dich, ohne, dass es emotional wird.

Sie: Ich will essen und dann passts schon

Roger: Ok, bis gleich

Ja, die Zitierung dieses Chats ist ein Eingriff in ihre Privatssphäre. Ich darf nochmal erinnern, dass dieser Blog von niemanden gelesen werden sollte? Also bitte Alt+F4 drücken. Außerdem kennt niemand meine Freundin und die drei Leute aus meinem Social Circle, die das flüchtig tun und das hier lesen könnten, übernehmen eher Partei für sie, denn die kennen mich schon lang genug.

So fuhren wir zum Essen, ich mit dem flauen Gefühl, doch irgendwie inkonsequent gewesen zu sein und damit einen Fehler gemacht zu haben. Wir sind dort inzwischen schon Stammkunden, man weiß, wo wir immer sitzen und man weiß, was wir trinken wollen. Keine Streitereien, sie schien entspannt und weiterhin humorvoll, was meiner Meinung nach daran lag, dass sie eine handfesten Beziehungskrise entschärfen wollte.
Danach fuhren wir noch Einkaufen und gingen eine Runde spazieren. Ich konnte sie noch nicht so schnell gehen lassen (inkonsequent!), konnte mir aber auch nicht vorstellen, mit ihr das Bett zu teilen. Abgemacht war abgemacht – ich verabschiedete mich von ihr und man konnte sehen, dass sie sich anderes erhofft hatte.

Beste Voraussetzungen, Montag erholt und mit guter Laune in meine erste Nachtschicht zu starten.

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