The Night Shi(f)t Teil 2 – Glück der Anderen

The Night Shi(f)t Teil 2 – Glück der Anderen

Short-Info: Teil 2 meiner dreiteiligen „The Night Shi(f)t“-Reihe zu meinen ersten beiden Nachtschichten in der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Subplot: Das neue Glück meiner Ex, bewährte Methoden wach zu bleiben und diskriminierende Busfahrer.

Weiterlesen? Nope. Do not click.

Immer noch Samstag, 03.03.18 – Immer noch Vorbereitung

Kurz nachdem meine Freundin wegfuhr, rief mich meine erste Ex-Freundin an, die Frau, mit der ich eher auf tragische Weise meine Unschuld verlor. Ich war nach dem Ende unserer Beziehung noch lange in sie verliebt, ließ sie das aber nie deutlich wissen, denn ihr vorheriger Freund war das, was ich bei ihr nicht sein wollte: Nachtragend, anhänglich, stalkend.
Wir sind zehn Jahre nach unserer Trennung noch Freunde. Der Umstand, dass sie etwas weiter weg wohnt, im Beruf und inzwischen von ihrer eigenen kleinen Familie gut auf Trab gehalten wird, ist schade. Trotzdem freue ich mich für ihr neues Glück mit neuem Mann. Diese Freude wurde dadurch gesteigert, dass wir uns für einen spontanen Spaziergang verabredeten.

Ihre Eltern und auch ihre Großmutter, die sie besuchte, wohnen acht Minuten Fußweg von mir entfernt. Besuche sind bei ihr immer ganz eng getimt, vor allem, seit sie Nachwuchs hat. Ich konnte den Kleinen bisher nur auf Fotos sehen und einmal leider nur eher flüchtig, als sie auf ein kurzes „Hallo“ vor meiner Haustür standen. Umso mehr freute es mich, dass sie Zeit für einen Spaziergang hatte.

Teilweise dieselbe Strecke, die ich nur wenige Stunden zuvor mit meiner Freundin ging, unter dem Stern einer stark bröckelnden Beziehung. Der Sohn meiner Ex-Freundin ist einfach nur hübsch. Er kommt mehr nach ihr, was ihm gut zu Gesicht steht. Diese Augen sind Perlen mit eingefassten Diamanten und ein Grund von vielen, warum sich eine Menge Frauen in ihn verlieben werden, wie alt er auch immer sein wird. Mit diesen Augen, wirklich besondere Augen, sah er mich prüfend an. Seine Mutter reagierte positiv auf diesen dunklen, bärtigen Mann mit Mütze, also grünes Licht für sein Lächeln an mich, das eine Welle der Beruhigung durch meinen Körper schickte.

Das Thema „Kinder kriegen“ wurde angerissen, vermutlich durch mich, denn mir scheint es in letzter Zeit ein immer größeres Anliegen zu kommunizieren, dass ich keine Kinder möchte, so, als wäre ich selbst noch nicht von dieser Entscheidung überzeugt. „Überrascht mich“, sagte sie. Überrascht viele, weil ich scheinbar gut mit Kindern könne. Werde dazu vielleicht mal einen Blog-Beitrag schreiben.
Wichtigster Satz unseres Treffens war: „Roger, ich rief zuvor deine Oma an und du warst gerade unterwegs, sie wusste nicht wo du warst. Das ist so toll! Früher nie denkbar.“ Ja, ich erkämpfte mir über zehn Jahre viele Freiheiten und muss weiterhin darum kämpfen, sie alle zu halten. *lach*

Nochmal spazieren zu gehen tat mir gut, brachte meinen übervollen Kopf ein bisschen mehr ins Klare. Möglichst lange wach bleiben, lautete der Plan. Ein klarer Kopf hilft dabei. Warum ich diesen klaren Kopf mit dem Spielen des Super Nintendo Mini Classics wieder vernebelte, weiß ich nicht. Hatte Lust drauf.

Sonntag, 04.03.2018 – Bewährtes, um wach zu bleiben

Ja, ich besitze ein SNES Mini, gekauft vom Prime-Account meiner Freundin aus. Es war ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk an meinen Onkel, wobei ich mehr damit spiele als er. Und wir spielen beide ausschließlich F-Zero und Super Mario Kart. Klar, das hätten wir auch billiger bekommen können, Spaß macht’s trotzdem. Ich könnte spielend leicht (Wortspiel beabsichtigt) einer F-Zero-Sucht erliegen und mein Leben noch tiefer den Bach runtergehen lassen. Bis ca. 2 Uhr nachts zeigte ich den computergesteuerten Fahrzeugen, wer der Chef ist, bis mein Fire Stingray zu schnell für meine Augen wurde.

4 Uhr war die geplante Zu-Bett-geh-Zeit. Noch zwei Stunden galt es zu überbrücken. Ich erinnerte mich an die zahlreichen Tage, an denen ich viel zu spät ins Bett kam, obwohl ich am nächsten Morgen früh hätte raus müssen. Was hielt mich da immer wach, fragte ich mich. Könnte mir helfen. Leicht zu erraten, was es ist: Internetpornographie.

Evolutorisch total nachvollziehbar, dass man beim Wichsen wach wird. Könnte ja ein geschlechtsreifes Weibchen in die Schusslinie geraten. Dauerte keine zwei Minuten und schon waren 20 Tabs im Browser geöffnet, einer versauter als der andere. Noch ein paar Sachen dabei in den Arsch schieben und schon vergehen zwei Stunden wie im Flug inklusive postorgastischer Müdigkeit.

Auf dem Weg zum Bett (es war 5.30 Uhr) überkam mich ein zerebrales Taubheitsgefühl, Schwindel. Ich musste beim Gehen einen Linksdrall kompensieren und fiel mit vom Wichsen erhöhten Puls ins Bett, leicht schwitzend. Sofort einschlafen können war nur Wunschdenken. Meine Augen waren durch den hellen Bildschirm des Laptops nicht an die Dunkelheit gewohnt.

Ich sah aus dem Fenster, beobachtete Enten auf dem zugefrorenen See. Manche schliefen, andere bereiteten sich wie ich auf eine Nachtschicht vor oder hatten sie gerade. Schrieb ein paar Notizen für den Blog.

Ziel war es, um ca. 14 Uhr aufzustehen. Zwischendurch aufgewacht. Das Haus wusste nicht, dass ich schlafen muss. Gebeten, im Nachbarzimmer den Fernseher leiser zu drehen. Viel zu hell, Rollo half nichts. Brauche einen neuen Vorhang oder einen großen Pappdeckel. Schönstes Wetter seit langem. Viele Familien gingen draußen spazieren.

Um halb 11 endgültig wach geworden, versucht, noch weiter zu schlafen, was stotternd bis 12 Uhr gelang. Immer noch wacklig auf den Beinen. Frühstück gleich Mittagessen – nichts Neues bei mir.

Müde versucht, an einer Präsentation fürs Studium zu arbeiten. Nach dem ersten Durchgang beschlossen, spazieren zu gehen, so lange die Sonne noch schien.

17.30 Uhr trainiert (Beine, Rücken … zu erschöpft für Weiteres). Um 18 Uhr gegessen, um 18.45 Uhr ins Bett. Kapiert, dass ich gar keine Ahnung habe, was ich da überhaupt tue (es schien so simpel: schrittweise den Tag zur Nacht machen und umgekehrt). Wecker auf Mitternacht.

Montag, 05.03.2018 – Tag der Nachtschicht

Mit Wecker aufgewacht, dummerweise gleich wieder eingeschlafen bis 2.15 Uhr. Aus rein nostalgischen Gründen Sexy Sport Clips im TV angesehen, bevor ich die SNES ansteckte. Eiweißshake getrunken, weil ich kaum Appetit hatte. Zu müde gewesen, um gut wach zu bleiben. Notizen für den Blog gemacht. Von 8 bis 11 geschlafen und wach geblieben.

Drei Halbstarke schauen mich hart von der Bushaltestelle aus an, auf die ich zugehe. Automatisch umklammere ich das Kubotan in meiner Tasche, paranoid as always. Ich stelle mich zu ihnen, umringt von riesigen Spuckeflecken am Boden. Es vergeht keine Sekunde und ich erhalte den Beweis dafür, wer die Urheber dieser schlecht abgetriebenen Street Art sind. Sie drehen mir den Rücken zu und spucken weiter.

Der Fahrer schlug mir die hintere Tür des Busses vor der Nase zu und zwang mich so, vorne einzusteigen. Ich war der einzige, den er nach dem Fahrticket fragte. „Jetzt schon?“ Normalerweise muss man erst ab 20 Uhr vorne einsteigen und unaufgefordert das Fahrticket zeigen; es war 19.20 Uhr. „Jaaaa, jetzt schon“, sagte er und schaffte es aus Nervosität nicht, Blickkontakt zu halten. Ich rollte mit den Augen und zeigte ihm den Studentenausweis, der dafür sorgen soll, dass ich später einmal mehr verdiene als er (Wunschdenken, ich weiß). Seine Bestätigung meiner Fahrerlaubnis klang wie eine kleinlaute Entschuldigung.

Im Bus eine wenig gewinnbringende WhatsApp-Diskussion mit der Freundin gehabt. Neben mir eine Fotze, die mit jemanden telefonierte und nicht mehr aufhören konnte zu lachen, was mich in meiner leicht niedergeschlagenen Stimmung aufregte, weil es so deplatziert war. Viele weitere Leute stiegen ein, keiner wurde nach dem Fahrticket gefragt. Diskriminierter Roger wurde diskriminiert.

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