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Kategorie: Innenleben

Phlegmatnigker (Tocotronic – Gehen die Leute)

Phlegmatnigker (Tocotronic – Gehen die Leute)

Eine von mir sehr geschätzte Physiotherapeutin auf Station sagte zu mir: „So langsam wie du gehst, könnte man meinen, du erwartest etwas Schlimmes.“

Das stimmt.

Ich bin ein Langsamgeher. Habe das von meinem Großvater übernommen, der immer sehr gemächlich ging, ein Schritt nach dem anderen, ganz entspannt und ruhig. Der Tag hat 24 Stunden. Es gibt genügend Zeit. Aber halt nicht in einem Krankenhaus.

Langsam muss ich es mir eingestehen. Ich bin phlegmatisch. Früher habe ich mich über diese Langsamkeit, Verpeiltheit, ewige Müdigkeit eines guten Freundes gewundert, doch ich bin nicht anders. In der Arbeit musste und muss ich mir immer anhören, zu langsam zu arbeiten. Meine aktuelle Praxisanleiterin formuliert es höflicher: „Du arbeitest sehr bewusst.“
Wenn ich für Schule oder Studium lerne, müsste ich das Wochen vorher, weil ich lange brauche, neue Dinge zu kapieren, vor allem Dinge, die mich nicht interessieren. Ich bewege mich auch immer langsam. Immer. Auf der Straße werde ich von Rentnern und Kleinwüchsigen überholt. Im Boxen hieß es, man solle nach jeder Runde langsam in die Ringecke gehen, um Kräfte zu sparen und der gegnerischen Ecke nicht zu zeigen, wann man wirklich erschöpft ist. Außerhalb des Ringes zählt das nicht. Wer langsam geht ist schwach. Er kann mit dem Rudel nicht mithalten, kann nicht vor Gefahr flüchten, wird zerfleischt.

Mindestens zwei Jahrzehnte episodischer Depression, die mit massiver Antriebslosigkeit einhergehen, haben mein Gemüt verändert. Früher habe ich mehr geschafft, mehr versucht, war tatenfreudiger, unternehmungslustiger, war künstlerisch aktiver, hatte mehr Output. Heute, mit Endlichkeit konfrontiert und ausbleibender Anerkennung bzw. keinen positiven Auswirkungen meiner Arbeit (die ich – um die Paradoxie zu verdeutlichen – nicht mal veröffentliche), fehlt mir die Motivation. Ich bin immer noch kein gefeierter Superstar. Wieso auch? Meine Outputfrequenz ist nicht stabil genug, es mangelt an Persistenz.

Mir wurde geraten, ressourcenorientierter zu Denken, da ich viel auf dem Kasten hätte. Roger Buscapé Nigk macht alles in nervtötender Langsamkeit. Eine Welt, in der das nicht OK ist, ist nicht die Richtige für mich. Man sagt, hochsensible Menschen haben ein Problem mit zu vielen Reizen und sind schneller überfordert, wenn sie Dinge gleichzeitig machen müssen. Alles vielleicht ein Ausdruck meiner Langsamkeit, ich Sensibelchen.

Fick dich, Dirk.

„Selbstsucht ist zwar eine Grundschwäche aller vier Temperamente, aber der Phlegmatiker dürfte mit der größten Dosis gesegnet sein. Diese Schwäche führt über die Jahre zu Unentschlossenheit, die ihn hinter der Aktivität anderer zurückfallen lässt. Der Preis, den er zu zahlen hat, um etwas zu bekommen oder fertigzustellen, so wie er will, wiegt oft schwerer als sein Wunsch, es zu haben.“
Joyce Meyer, Traum statt Trauma (zitiert nach Wikipedia, „Phlegmatiker“)

Beleidigte Pflegerwurst

Beleidigte Pflegerwurst

Kann sein, dass ich mich immer und immer wieder wiederhole, weil ich einfach nicht mehr weiß, was ich hier und an anderer Stelle über meine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger geschrieben habe. Was soll’s.

Geht es um Genderkacke, radikalen Feminismus und das alles, rege ich mich oft darüber auf, dass manche Menschen einfach viel zu empfindlich ist. Dieser Blog-Beitrag legt offen, was für ein Sensibelchen ich bin.

Meine Zwischenbewertung des vierwöchigen Praxisblocks in der Onkologie sollte am 29.06. laufen. Ich kann mich nicht daran erinnern, warum es an diesem Tag nicht klappte. Die für mich zuständige Pflegekraft hatte nicht daran gedacht und ich hatte nicht daran gedacht. Sie war scheinbar auch nicht darauf vorbereitet (sprich: sie hat sich nicht die Mühe gemacht, andere Pflegekräfte über mich auszufragen), sonst hätte sie mich sicher darauf angesprochen. In Einigung mit meiner Klassleiterin teilte mir die Stationsleitung mit, ich habe zwar ein Zwischengespräch, aber nicht mit Bewertung. Das ist völlig okay. Auf meine Praxisnote im Zeugnis wird das nicht viel Einfluss haben. Außerdem war heute eine Stationsbesprechung mit fast dem gesamtem Team. Ich denke nicht, dass ich wichtig genug war, ein Punkt auf der Agenda zu sein, aber sie hat sich durchgefragt. Zeigte ihr im Vorfeld eine Liste an Pflegekräften, mit denen ich gearbeitet hatte und die sie über mich ausquetschen konnte. Ich bin da entgegenkommend, das macht sonst niemand.

Spätschicht. Was fühlte ich mich gut. Ich arbeitete viel und korrekt, hielt den examinierten Pflegekräften den Rücken frei und bespaßte die Patienten. Als einziger Schüler auf einer Station ist es my time to shine. Ich genieße das. Fast schon hatte ich so viel Selbstvertrauen, dass ich mir ausmalen konnte, nach dem Examen komplett frei arbeiten zu können. Selbstkritisch wie ich bin, sind das eher kurze traummalerische Höhepunkte, deswegen kostete ich das richtig aus. Erinnerte mich daran zurück, wie ich am Anfang dieses Praxisblocks  daran dachte, die Ausbildung abzubrechen. Alles in mir verlangte danach. Ich war völlig überfordert, drohte unterzugehen in den ganzen schriftlichen Arbeiten, Prüfungsvorbereitungen und dem Einarbeiten in diese völlig ungewohnten Abläufe der neuen Station (dort wird einiges anders gehandhabt und meiner Meinung nach nicht zum Besten – Aushilfskräfte die dort anfangen, bestätigen mir das u. a. durch ihr Stirnrunzeln, wenn sie eingearbeitet werden). Aber ich weiß, dass ich nicht nochmal flüchten kann. Kein Ausweg mehr. Ich hatte mich nach mehr als einem Jahr Bedenkzeit für die Pflege entschieden und bin jetzt in ihr gefangen. Mindestens bis zum Examen.

Wie so oft wurde das Gespräch an das Schichtende verlegt, vorher fand sie in den ruhigen Momenten keine Zeit (Raucher müssen rauchen). Es begann damit, dass ein Zwischenziel („Grundpflege routinieren“) in den „Endzielen“ (doofes Wort) auf einmal um „+ Prophylaxen“ erweitert wurde. Ich beherrsche die Prophylaxen. Das als Ziel nachträglich aufzunehmen kommuniziert ungerechtfertigerweise, dass ich da Nachholbedarf habe. Doch egal, ich möchte nicht soooooo kleinlich sein.

Sie sagte danach: „Du hast mir ja am Anfang des Praxisblocks schon gesagt, dass du oft unmotiviert wirkst, oft langsam bist usw.“
Korrekt. Ich habe ihr auch das „Warum“ erklärt. Ich wirke unmotiviert, weil ich mit mir selbst unzufrieden bin, an meinen eigenen Ansprüchen scheitere und es gerne besser machen würde (sie ist da genauso). Ich versuche weniger Angriffsfläche zu bieten, indem ich mich zurückhalte. Auf andere wirkt das, als sei ich unmotiviert. Deshalb wünschte ich mir explizit Anleitungen. Diese Erklärung hat sie komplett vergessen. Bei ihr blieb nur hängen: „wirkt unmotiviert“. Ebenfalls erklärt habe ich ihr, dass ich langsam bin, weil ich versuche schulisch zu arbeiten und weil ich mich nicht hetze, wenn es gerade nicht viel zu tun gibt oder eine Aufgabe nicht sehr dringlich ist. Aber ich bat explizit darum mich bitte wissen zu lassen, wann ich richtig Gas geben solle, denn scheinbar kapier ich’s einfach nicht, wenn Not am Mann ist. Ich hatte nie den Eindruck, Arbeit liegen zu lassen, also schien mein Arbeitstempo angepasst. Damals sagte sie noch dazu: „Das ist auch gut so, nicht zu hektisch zu arbeiten. Alle die sich so durchhetzen, haben später ein Burn-out.“

Sie weiter: „Wenn du das schon weißt, warum tust du nichts dagegen?“
Ja, warum eigentlich? Warum wird ein Depressiver nicht einfach fröhlich? Zu wissen und selbst benennen zu können, dass man etwas nicht kann, bedeutet den ersten aktiven Schritt zur Änderung. Mich umzukrempeln passiert nicht über Nacht! Ich wünschte mir etwas mehr geführt zu werden, geteilte Erfahrungen der Profis zu erhalten, die auf meine eigene, individuelle Situation passen. Ich wünsche mir das in jedem Praxisblock und nichts geschieht.

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Das Leben auf der anderen Seite des Fensters

Das Leben auf der anderen Seite des Fensters

Gerade fiel mir auf, wie oft ich bei bestem Wetter an meinem Laptop sitze und an irgendwelchen Schul- oder Studienarbeiten schreibe, während draußen Dult, Konzerte und Feste zu hören sind. Aber was heißt „ich schreibe“ … ich lasse mich durch Mist im Internet ablenken, renne hundertmal zum Kühlschrank, hundertmal auf und ab oder starre depressiv die Wand an. Schlimmstenfalls lege ich mich ins Bett und pendle in nervöser Grundstimmung zwischen Schlaf- und Wachphasen, weil ich weiß, dass mir die Zeit davonläuft. Wie immer halt.

Diese Woche habe ich erstmals so richtig ehrlich und ernsthaft erkannt, was für ein horrender Bullshit einem im Pflegestudium serviert wird. Es gibt so viele Studienarbeiten, die sind einfach das Papier und/oder den Strom nicht wert, um sie zu lesen, so viele bescheuerte Theorien und Modelle, wo man sich fragt: Ab wann ist denen die Realität so fürchterlich abhanden gekommen? Und am deutlichsten wurde mir bewusst, wie unwohl ich mich in dieser Fakultät fühle. Ich lese die Plakate an den Wänden. Gleichstellung scheint sehr wichtig zu sein. Gleichberechtigung ist nur ein Wort, ein Deckmantel für Praktiken, die nichts mit Gleichberechtigung zu tun haben und selbst sexistisch motiviert sind, Vorurteile schüren und andere Menschen einschränken, obwohl diese so leben, dass sie keinem anderen in die Quere kommen. Doppelmoral ist halt auch moralisch, nicht?

Ich versuche das Beste daraus zu machen, sehe mich aber durch meine Depressionen daran gehindert. Ich weiß, dass ich eine medikamentöse Therapie bräuchte und regelmäßige Gespräche mit einem Therapeuten. Auf beiden Ebenen habe ich schon viel ausprobiert und bis jetzt nicht das Richtige für mich gefunden. Mich einweisen lassen wäre im Rahmen des Möglichen, doch ich fürchte die Stigmatisierung. Ich bin tatsächlich der Meinung, ich hätte im Marketing bleiben sollen. Das wäre erst recht nicht gut für meine psychische Gesundheit gewesen, aber ich hatte mir zumindest eine Nische geschaffen, in der ich weitestgehend eine ruhige Kugel schieben und ab und an mal kreativ sein konnte. Lass mich eine Woche wieder in diesem Bereich arbeiten und mir fallen massig Dinge ein, warum es doch besser war, dort zu verschwinden. Sprunghaft as fuck: Roger B. Nigk.

Ich finde einfach nicht meinen Platz. Prokrastination und Selbstsabotage in wichtigen Lebensaspekten wird meine kleine Blüte auf ewig verschlossen lassen. Entfaltung steht mir in dieser Welt einfach nicht zu. Verstanden werden schon gleich gar nicht. Und wer mich zu verstehen scheint, zeigt mir gleich, was für ein verfickter Träumer ich doch bin.
Selbstmord ist die meiste Zeit meines Lebens ein entspannendes und zugleich extrem schwächendes Gedankenspiel für mich. Konnte ich nicht schlafen, brachte ich mich um. Der Gedanke schaut aktuell durchs Schlüsselloch, beobachtet mich und hat die Faust geballt, um an der Tür zu klopfen. Wenn ich ihn reinlasse, wird es mal wieder für ein paar Wochen ganz übel. Ich muss das vermeiden, außer ich will meine dämliche Pseudo-Karriere gefährden, diesen letzten, kleinen, brüchigen scheiß Ast, an den ich mich mit meinem Mittelfinger festhalte. Mein Fenster ist gekippt. Ich liebe live gespielten Jazz. Klopf, klopf.

Kurz nachgedacht: Gleichberechtigung?

Kurz nachgedacht: Gleichberechtigung?

Kommt mir so vor als wären alle Bemühungen der geschlechtlichen Gleichberechtigung eine riesige Heuchlerei und Scheinheiligkeit. Der Feminismus der 3. Welle pickt, wie könnte es auch anders sein, wieder nur Rosinen für die Menschen unter uns, die über mindestens eine Vagina oder Gebärmutter verfügen und sich der Öffentlichkeit als Frau darstellen (kompliziert, ich weiß).

Meine Fragen:

Seit wann sind alle so verfickt empfindlich geworden?

Kann es Gleichberechtigung geben, wenn es nur um Frauenrechte geht?

Sind Frauenquoten nicht das gleiche, als würde der Dermatologe ein eiterndes Ganzkörperekzem nur mit Makeup behandeln?

Wenn Frauen für ihre Geschlechtszugehörigkeit aufgrund von Quoten beruflich bevorzugt werden, ist das nicht genauso sexistisch wie eine Bevorzugung von Männern?

Wenn es, im Sinne der Gleichberechtigung, Frauenbeauftragte gibt, waren und sind damit alle anderen automatisch Männerbeauftragte? Wäre das nicht ungerecht?

Wie viel hat das mit Gleichberechtigung zu tun, dass Frauen ohne Konsequenzen Verhütungsmittel, die in ihrem eigenen Wirkbereich liegen (orale Kontrazeptiva), fahrlässig fehlerhaft anwenden und damit einem Mann ein Kind anhängen, welches er niemals wollte? Was, wenn eine willentliche Manipulation der Verhütung von der Frau vorgenommen wurde (Löcher im Gummi)? Ist es möglich einem Mann, der  entschieden kein Vater des Kindes einer bestimmten Frau sein will oder gar kann (derer Gründe könnte es viele geben, sogar unabhängig von Geld), hier irgendwie zu helfen?

Warum werden gleichwertige Straftaten von Frauen mit einem geringeren Strafmaß geahndet? Oder mal als kleine kindische Analogie mit Rückblick in meine Schulzeit: Warum mussten meine Mitschülerinnen nicht annähernd so umfassende und häufige Strafarbeiten schreiben wie wir Jungs, wenn sie bspw. ihre Hausaufgaben nicht hatten? Warum bekamen sie nach Prügeleien keine Verweise (egal ob female vs female oder mixed fights)? Warum griff vor Lehrkräften das Notwehrrecht auf einmal nicht mehr, wenn die Mädels uns wiederholt gegen das Schienbein traten? Und warum soll ein Richter heute vom Geiste her da irgendwie anders ticken als eine strafende Lehrkraft? Für beide sollte doch gelten: Vor dem Gesetz/der Tafel sind alle gleich.

Warum wirkt es, als ließe man Frauen keine andere Rolle als die des passiven Opfers und Männern nur die, des Aggressoren und ist diese Rollenverteilung gut so? Warum überhaupt (schon wieder) Rollenverteilung nach Geschlecht? Ich dachte Rollen sind böse?

Muss ich bei jedem Flirt mit einer Dame diesem Leitfaden folgen, um mich nicht in Schwierigkeiten zu bringen: Wann habe ich sie berührt? Wo habe ich sie berührt? Warum habe ich sie berührt? Was habe ich dabei gefühlt? Was in ihrer Physiognomie, ihrer Gestik, allgemein in ihrer Körpersprache, was in ihren Worten und der Modulation dieser hat mich denken lassen, dass sie damit einverstanden sein könnte? Wie hat sie darauf reagiert? Wie habe ich ihre Reaktion interpretiert und warum? Unter welcher Vereinbarung fand das Treffen statt? Habe ich ihr ständig kommuniziert, dass sie ohne Repression/Strafe/Verleumdung/Beschimpfung/negative Konsequenzen etc. jederzeit sich meinem Wirkbereich entziehen kann und habe ich mich darüber vergewissert, dass sie kognitiv und physisch dazu in der Lage ist, dies erfolgreich unmittelbar zu erkennen und notfalls auch umzusetzen? Hab ich das schriftlich? Habe ich Zeugen, die sich davon vergewissern konnten, u.a. auch davon, dass ich im Rahmen dessen keinerlei Druck oder gar Gewalt ausgeübt habe, weder verbal noch nonverbal … puh …
Gilt das im genau selbem Maße auch für Frauen? Und wenn ja, warum hätte ich Skrupel eine Frau an den öffentlichen Pranger zu stellen und ihr Image, vielleicht sogar ganzes Leben zu zerstören, nur weil sie beschissen flirtet und/oder mich falsch angefasst hat? Wieso fällt da eine „Güterabwägung“ (wenn man so will), derart unterschiedlich aus?
Wie ist gerade in diesem Zusammenhang Alkohol- und Substanzabusus aus allen Perspektiven zu betrachten (d.h. Mann/Frau motiviert/nötigt etc. Frau/Mann zum Konsum oder flößt sogar heimlich ein; welcher Promillewert wirkt sich rechtlich wie auf die Folgen von Taten aus, z.B. Frau, die unter Einfluss freiwillig die Beine breit macht; Mann, der unter Einfluss die Finger nicht bei sich halten kann usw.)?

Warum höre ich keinen Aufschrei, dafür leises Kichern, wenn einem Mann von seiner Freundin/Frau aus Rache für Seitensprünge die Geschlechtsteile abgeschnitten werden, aber sehe in entsetzte Gesichter, wenn ich eine fiktive Geschichte von einer Frau erzähle, der aus selbem Grund die Klitoris von ihrem Ehemann abgetrennt wird? Warum ist nicht beides als schreckliche, unmenschliche Tat anzusehen?

Warum können Frauen unfassbare Lügen zu vermeintlicher Vergewaltigung, sexueller Nötigung, Missbrauch, Gewalt etc. verbreiten und bekommen noch gesellschaftlichen  Zuspruch, obwohl ihre Lügen glasklar aufgedeckt wurden? => „Everything You Know About Porn Star Leigh Raven’s Charges of On-Set Abuse is Wrong (We have the VIDEO)“

Was zum Teufel ist im Leben von Frauen schief gelaufen, die sich von Blicken vergewaltigt fühlen, schlechtes Flirten eingeschüchterter Männer mit lautem Gebrüll öffentlich abstrafen und auf psychologischer Sicht keinerlei Skrupel haben, mit größter Gewalttätigkeit zu agieren? Hand aufs Knie legen als Straftat … wann kommen Menschen, die so etwas fordern, mal in der Realität an?

Warum gibt es an meiner Fakultät für angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften so viele Diskussionsrunden und Veranstaltungen mit dem Wörtchen „Gender“ im Titel und warum verstehe ich in vielen von ihnen kein Wort bzw. muss mich die ganze Zeit über fragen, ob diese komischen Kinder wirklich keine anderen Probleme haben?

Warum, verfickte Scheiße fickt euch alle argh, wird die Note meiner Studienarbeiten schlechter, wenn ich nicht jedes scheiß Wort 100%ig durchgendere?

Warum wird nicht erkannt, dass manche dieser Kriegsschauplätze gegen Diskriminierung, selbst Diskriminierung hervorrufen? Und wenn doch, warum wird das als OK angesehen?

Wenn es wirklich stimmt, dass Männer häufiger Suizid begehen (laut Statistiken sogar deutlich häufiger, hier ein Beispiel), warum unternimmt man nichts dagegen, die Suizidrate zu senken? Ich stelle mir gerade vor, wie es andersrum wäre. Alice würde mit Panzern losstürmen, nicht?

Sind Frauen, die nicht der Meinung sind, privat und im Beruf gegenüber Männern benachteiligt zu werden (dazu gehören fast alle Frauen, mit denen ich zusammen war bzw. näher zu tun habe) Verräterinnen, blind oder einfach nur blöd? Beschämen diese Frauen mit ihrer Zufriedenheit (nicht „Zufriedenheit trotz Benachteiligung“) andere Frauen oder werden diese Frauen vielleicht von Feministinnen diskriminiert?

Warum gibt es keine Müllfrau und die Sündenziege im deutschen Sprachgebrauch, bei all dem Dreck und gesellschaftlichen Schaden, den diese vielen, schwer überdehnt narzisstischen Feminismusmenschen fabrizieren?

Wann wird welcher Fehler zum Blankoscheck, den Ruf eines Menschen – und damit auch weite Teile seines Lebens – nachhaltig zu zerstören, vielleicht sogar trotz Reue und Entschuldigung? Ist es klug einen nicht begangenen Fehler „einzugestehen“, bevor man online und danach im Real Life gelyncht wird? Etwas nicht eingestehen, das man verdammt nochmal auch nicht getan hat, lässt einen wie ein Lügner wirken. Natürlich nur, wenn man ein Mann ist.

Ist Ungleichheit gleich Ungerechtigkeit, wenn Ungerechtigkeit scheinbar immer Ungleichheit ist? (That’s a tricky one.)

Warum kennen so viele nicht den Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung? Oder perfider: Warum darf sich Gleichstellung so frech in den Deckmantel von Gleichberechtigung hüllen und erhält dabei sogar noch Rückendeckung aus der Politik?

Und: Warum habe ich das Gefühl, mich mit diesem Blog-Beitrag fürchterlich in die Nesseln gesetzt zu haben? Manchmal glaube ich es gäbe keinen Willen zur differenzierten Diskussion mehr, nur noch schnellstmögliche Schuldzuweisung in kritischen Themen, möglichst emotional aufgeladen, weil das die optimale Spielwiese zur Manipulation der Massen  zu sein scheint. Auch wenn dieser Beitrag hier etwas anderes vermuten lässt: Bei diesem Thema von „Schulden“ und „Schuld“ zu sprechen, scheint mir der absolut falsche Weg zu sein. Nicht Feminismus oder Maskulinismus. Humanismus!

~ Ich kann radikale Feministen nicht daran hindern, dass hier zu kommentieren, denn sie widersetzen sich zu gern Grenzen, obwohl sie im Umgang mit ihnen pausenlos Grenzen einfordern. Ich darf noch einmal darauf verweisen, dass dieser Blog nicht zum Lesen bestimmt ist. GTFO ~

Traumfänger im Roggen (Träume mit Wiederkehr)

Traumfänger im Roggen (Träume mit Wiederkehr)

Wiederkehrende Träume sind ziemlich verbreitet. Mein Opa hat nach eigenen Angaben nur vom Fliegen geträumt. Oma träumt seit Opas Tod oft von ihm (ihre Traumdeutung: sie müsse sterben. Ja, das müssen wir alle mal). Eine Mitschülerin träumt von Dinosauriern, die sie fressen. Einer anderen fallen die Zähne aus. Ein früherer Kumpel träumte davon, nackt in der Schule zu stehen. Was träumt dieser leicht gestörte Motherfucker, Roger Nigk?

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Wenn das Schreiben einer To-Do-Liste suizidal macht

Wenn das Schreiben einer To-Do-Liste suizidal macht

Nicht unbedingt kryptisch hier beschrieben worden, dass ich, wie so oft, mit meinem Leben überfordert bin. Modulprüfung nachschreiben, eine Präsentation zu einem schwierigen Thema vorbereiten und halten, eine weitere Schulaufgabe verkacken, eine schriftliche Ausarbeitung verfassen, für eine andere Klausur lernen, drei Tage für Teambildungs-Besinnungsscheiße vergeuden … und heute: „Ach Roger, magst du …“

Da sind 26 fremde Leute aus einem fremden, deutschsprachigen Land, das ich jetzt nicht nennen möchte, weil die falschen Leute sonst diesen Blog ergooglen könnten. Sie stürmen einen Klassenraum, der vor einer Stunde noch aus zwei Räumen bestand. Ich möchte mich aus sämtlichen Präsentationen, Feiern und Diskussionen raushalten. Ertrage das grad einfach nicht, zu viel Frust, zu viel Stress, zu viel Pseudo-Trauma. „… den Magazinartikel zur heutigen Veranstaltung schreiben? Du schreibst so gut!“ 

Nein, mag ich nicht! Aber ich muss jetzt wohl, weil meine Klassenleiterin mich darauf angesprochen hat. Die Schulleitung weiß auch schon Bescheid, dass ich das übernehm (noch vor mir). Ja, ich prokrastiniere wieder wie verrückt, mache nicht was ich sollte. Da hab ich doch nicht die Zeit noch ’nen Artikel zu schreiben!? Außerdem sind die gemachten Bilder dazu schlecht (verschwommen, digital gezoomt, schlechte Bildkomposition, schlechter Bildausschnitt), weil nicht ich sie gemacht habe. Here we go again – mein verfickter alter Beruf als Drecksredakteur. Das Argument „Da bin ich ja nicht umsonst weggeflüchtet, von diesem Scheißjob“ zieht auch nicht, da ich ja nach wie vor gerne meinen Arbeitgeber auf Messen vertrete (und schon bin ich zurückverfrachtet in meine alte Werbeagenturzeit), das aber auch nur, weil ich dann nicht auf Station arbeiten muss. Für diesen Artikel bekomme ich NADA! Ein müdes Lächeln, vielleicht. Oder überspielte Freude von meiner Klassenleitung, was auch an Medikamentenmissbrauch liegen könnte.

ICH KANN NICHT SCHREIBEN! Sechs Jahre als professioneller Texter in einer Agentur gearbeitet und noch ein paar Jährchen länger so nebenher. Doch wer meinen Blog liest, weiß: Ich kann wirklich nicht texten. Wirklich nicht. Ständig irgendwelche Fehler, komische Satzbauten, beschissenste Metaphorik, Interpunktion gesetzt nach Cumshotspritzern auf dem Monitor, nach Pornhub- und xvideo-Binge-Watching. KOMM, HÖR MIR AUF!

(Menschen strengen mich so sehr an. Ich sitze zwischen sechs süßen Mädels, quetsche sie ein bisschen für den Artikel aus, scherze mit ihnen, betatsche die Muskeln der Heißesten von ihnen, bin noch frustrierter, weil ich keinen Weg finde, sie zu ficken, starre sie den Tag über immer wieder mal an und bin noch frustrierter, denn fuckisdiegeil … übersehe, wie ein anderes, ebenfalls hübsches Mädchen mit mir flirtet bzw. mache nicht mehr daraus … Kann ich dieses mir aktuell so verhasste „Zwischenmenscheln“ abschalten, fühle ich mich einfach nur erschöpft … fahre nach Hause, rege mich über jeden  Menschen auf, den ich sehe … möchte mich für ein volles Jahr ausklinken, mich mal wieder neu orientieren, ernsthaft Hilfe in Anspruch nehmen … ich brauche ein verficktes Wunder, sonst fahre ich mein Leben an die Wand, in den Gegenverkehr oder an den nächstbesten Baum … ich bin einer dieser Menschen, die kein Motorrad haben sollten …)

~ Kommentier doch diesen Scheiß nicht, Mensch! ~

Warum ich es niemals schaffen werde

Warum ich es niemals schaffen werde

Mein früherer Chef sprach immer von „Exzellenz“. Gemeint damit war nicht der Titel, sondern die Spitzenleistung. War eine erstrebenswerte Eigenschaft für ihn, Exzellenz in etwas erreichen, und obwohl er mit der Passion eines Wahnsinnigen Marketingprofi war, könnte ich nicht benennen, worin er wirklich exzellent war.
Exzellenz erreichen … halte ich für unnötig mühselig. Allerdings möchte ich „es schaffen“. Es schaffen im Leben. Also beruflich. Mehr Geld und höherer Status ist ja mit Vorzügen verbunden, die einem dieses ohnehin schon unverschämt schwere Kackleben leichter bzw. genießbarer machen. Also strebe ich nicht nach Exzellenz, dafür nach Perfektion. Ein Akt der Abnabelung von meiner beruflichen Vergangenheit durch Umbenennen der gleichen, giftigen Philosophie.

Ich werde es niemals schaffen. Statt „Home Sweet Home“ könnte das auf meinem Fußabstreifer stehen, damit ich es ja nicht vergesse. Habe immer den Eindruck mehr und härter zu arbeiten als alle anderen und doch bin ich ein unfassbar faules Schwein, mit dem paranoiden Eindruck, von Pech und Drama verfolgt zu werden. Leicht abgelenkt von allem. An nichts kann ich konzentriert arbeiten. Regelmäßig lasse ich mich aus dem Arbeitsfluss bringen, um irgendeinen Mist im Internet zu suchen, mich über Nichtigkeiten zu informieren, mir einen Film reinzuziehen, zu wichsen oder was sonst noch. Ausdauernd wie ein Haufen Scheiße, den ein Schwan im Wirbelsturm aus seinem Arschloch fallen lässt. Ich bin überall, aber nicht konzentriert. Gedanken rasen, tausend Gedanken, ohne Zusammenhang, bin mal hier, mal dort, der Wunsch, der Traum, die Fantasie, die Erinnerung, das Schuldgefühl, der Selbsthass, die Aussichtslosigkeit.

Zahlreiche Talente, die ich zu haben glaube, konnten sich nie zu etwas Brauchbarem entwickeln, weil ich wie gesagt keine Ausdauer habe. Dauert nicht lange und ich kündige hier z.B. einen Blogpost an, der dann nie erscheint. Wie viele unfertige Projekte in meinem Zimmer verstreut liegen, als wären Schubläden, Fächer, Mappen und Ordner unbeerdigte Särge. Meine Worte sprechen lauter als die Tat, die niemals folgt. Wird passieren.

Ganz, ganz fest nahm ich mir vor, für eine arschgefickte Schulaufgabe am Donnerstag (morgen) zu lernen. Es ist so viel Stoff, wie wir ihn noch nie zuvor für eine Schulaufgabe hatten und eine der korrigierenden Lehrer, gehört zu den härtesten Endgegnern, die man haben kann. Sie ist so voller Unsicherheit, so eigenartig geschauspielert und hilflos in zwischenmenschlicher Aktion, ich würde sie gerne in den Arm nehmen, was sie jedoch nie davon abbringen würde, ihren Frust an Schülern durch erwartete Perfektion und 100%ig genau auswendig zu lernenden Füllselsätzen auszulassen. Für das Examen darf man Lehrkräfte angeben, die man nicht in der praktischen Prüfung haben will. Kann mich nicht entscheiden, ob ich sie zum Ausschluss wähle, schließlich gibt es noch genügend andere Lehrerinnen, mit denen ich es verschissen hätte – durch meine besserwisserische Art und ständiges Aufdecken von Unterrichtsfehlern. Sorry, ich weiß es halt öfters verfickt nochmal besser. Wer das als Angriff gegen sich selbst sieht, egal wie sanft ich es zu formulieren versuche, dem ist nicht mehr zu helfen. Wie mir. Aber die haben es wenigstens zu etwas gebracht. Ich bringe es zu Scheiße. Schwanenscheiße.

Bin einfach zu sensibel für diese Welt. Als das Durchsetzungsvermögen verteilt wurde, habe ich darum gebeten, eine Schwanzlänge über dem deutschen Durchschnitt zu haben – nicht sonderlich hoch –, ohne zu wissen, dass Durchsetzungsvermögen der entscheidende Faktor für Erfolg ist, vor allem für Erfolg mit Frauen, in jeder Phase der Verführung und einer eventuellen langfristigen Beziehung. Doch um Frauen soll es hier grad nicht gehen. Vielleicht würde es mir mal helfen, Flirten, Lieben, Ficken und auf Pornovideos wichsen wegzulassen. Wortwörtlich: Mein Schwanz steht mir im Weg. Exkurs beendet.

Wird nur ein kleines bisschen Ellbogen eingesetzt, wirft es mich aus der Bahn. Und die, die ihre Ellbogen einsetzen, benutzen sie nicht, um jemanden freundlich anzustupsen, damit dieser Platz auf der Karriereleiter macht. Nein. Es geht um Dirty Ass Street Fight I Knock U Da FUCK Out Elbows. Es geht um Vernichtung. Mir geht es um Vernichtmitmir. Ich möchte aus diesem System ausbrechen, aber das geht nicht so, wie ich es mir wünsche bzw. bin ich einfach nicht belastbar genug, um das zu tun. Diese mangelnde Belastbarkeit ist ja auch der Grund, warum ich in den aktuell dominanten Strukturen des Erbringens von Leistung, keinen Halt finde und nicht einen einzigen Schritt in die vermeintlich richtige Richtung gehen kann.

Wieder mache ich krank, weil dieses Depressionsgefühl sich mit seinem fetten Arsch schwer auf meinen Kopf gesetzt hat. Morgen schreiben wir diese arschgefickte Schulaufgabe, die zugleich eine Klausur für das Studium ist. Seit mehr als acht(!) Wochen weiß ich davon und habe keine Zeile dafür gelernt. Da schwänze ich einfach. Nicht zum ersten Mal. Nein, zum zweiten Mal. Ich verlasse mich darauf, bis zum Nachholtermin alles zu können und dann schreibe ich doch nur eine 2. „Nur“. Die durchschnittliche Pflegekraft steht auf einer 4. Eine 2 ist gut, eine 2 ist überdurchschnittlich. Genügt mir nicht. Und wenn es eine 1 wird, freue ich mich nicht im gleichen Maße darüber, wie eine 2 mich aufregt. Bei einer 3 bin ich übrigens schockiert zutiefst gekränkt. Einser scheinen normal, etwas Gegebenes, etwas Notwendiges zu sein. So elendig viele Einser ich in meinem Leben schon geschrieben habe, so wenig haben sie mir gebracht. Eigentlich gar nichts. Kein bisschen.
Leute, die mit mir den qualifizierenden Hauptschulabschluss bestanden haben, verdienen mehr Geld als ich es jemals habe. Scheiße, sie haben auch schon mehr Geld ausgegeben als ich es jemals verdient habe. Von den Leuten, die mit mir den M-Zug besuchten, auf die FOS gingen, studierten und später die Ausbildung machten, will ich gar nicht erst anfangen. Wer sogar schlechter als ich war, ist heute in gehobenen Positionen. In Positionen, von denen aus man mich herumkommandieren könnte. Roger Nigk, ewiger Praktiktant, Azubi, Schüler, Schuleschwänzer und Streber, der von Strebern „Streber“ genannt wird.

Das bisschen Damage is done. Ich werde an der Schulaufgabe/Klausur nicht teilnehmen, sie in eine Zeit schieben, wo ich noch viel mehr Schul- und Studiumsstress ausgesetzt bin, werde mich noch miserabler fühlen, die Schule und meinen Hausarzt anlügen. Dabei bin ich alles andere als gesund. Ich fühle mich wie so oft nicht im Stande, ein Leben zu führen. Irgendeins. Ich verzweifle an mir selbst. Ich vermisse meine Freunde. Ich mag diese ganzen anderen Menschen nicht. Ich bereue meinen Lebensweg. Ich wüsste nicht wo sonst hin mit mir. Ich genüge nicht.

„ich bin auch nicht stressresistent. deswegen mache ich mir erst keinen.“
– Eine ehemalige Kollegin in der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger und meine damals beste Klassenfreundin. Studiert inzwischen seit längerem Medizin.

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Drei Akte und ein Akt

Drei Akte und ein Akt

Akt 1

Deinen Schmerz kann ich fühlen oder zumindest sehr gut nachempfinden. Am liebsten würdest du schreien, dass ich das nicht kann und ich würde dir recht geben. Ich will deinen Schmerz gar nicht und lasse ihn nicht an mich ran, außer durch deine Nägel, während du dich, in größtem Verlangen nach Linderung, an mir festklammerst. Vorsichtig und so einfühlsam wie möglich rede ich zu dir. Nach angsterfüllter Abwehr gewährst du mir nach und nach mehr Freiraum in meiner Arbeit, was schön ist. Wir werden zu Verbündeten, deswegen lässt du mich auch wissen, dass du Hepatitis hast.

Eine Schwester schnauzt mich an. In deinen Augen bin ich der beste Pfleger, den du dir wünschen könntest. Bestimmt lügst du, das können Junkies gut, hat man mir mal gesagt. Schutzreflex. Bloß nicht mit dem Mann verscherzen, der dir zugeteilt wurde. Ist OK. Danke, dass du deine Brüste verdeckst, nachdem ich dich aus deinen Klamotten geschnitten habe. Selbst als Pflegekraft muss ich nicht alles sehen. Wird nicht lange dauern und die nächste Nadel küsst dir einen Abszess in den Arm. Deine Krankengeschichte lässt das vermuten.

Akt 2

Deinen Schmerz will ich nicht fühlen. Du trittst mir zu fordernd auf. Mein Beruf ist es, dir eine Dienstleistung zu erbringen, ich weiß. Wirkt mir zu frech, wie kühl und trocken du von deiner 25-jährigen Sucht erzählst und währenddessen ein Entzugsprogramm missbrauchst, um noch besser high zu werden. Zu deiner Hepatitis schweigst du. Als man dich danach fragt, verneinst du sogar. Ein Arztbrief verrät dich. Ist OK. Deine Privatsphäre. Dein infektiöses Blut, dass überall hintropft.

Ödematöse Beine verlangen eine Hochlagerung. Bringe dir sofort was, sage ich. Ups, vergessen. Fällt mir auf dem Weg zum Bus ein. Meine seichte Rache ist es, nicht zurückzugehen. Genügend andere Schüler da, die du sicher schon befehligt hast. Wenn dich die Nadel bislang nicht töten konnte, werden es deine Beinödeme erst recht nicht.

Akt 3

Niemand erzählt etwas von MRSA oder 3MRGN, als die Rettungssanitäter dich bringen. Alkohol- und Nikotinabusus ist dir schon von weitem anzusehen. In deiner Krankenakte wird mir das bestätigt und ein paar Erklärungen dafür geliefert, warum dein Körper so aussieht, wie er aussieht. Man merkt sofort, du redest gern und viel. Zu den Dingen, die deine Mitmenschen gefährden könnten, schweigst du. Ich erlaube mir nicht zu denken, dass du es vielleicht nicht besser weißt. Zu oft warst du schon in einem Krankenhaus.

Ob ich dich an den Bettrand setzen könnte, fragst du. Mir ist nicht wohl bei der Sache, du bist in deiner Mobilität zu eingeschränkt. Eine andere Schwester hätte das schon mit dir gemacht, das ginge in Ordnung. En bloc bringe ich dich in Sitzposition. Ich hätte schauen müssen, ob du auch wirklich sicheren Halt hast. Stattdessen frage ich dich nur. Du möchtest einen Hocker neben dich gestellt haben, damit du an die Urinflasche kommst. Du versicherst mir, alles sei in Ordnung, kurz bevor ich Schutzkittel, Handschuhe, Kopfhaube und Mundschutz entsorge. Da fällt dir ein, dass du das Kopfteil deines Bettes gerne tiefer hättest. Funktioniert nicht. Ein Koffer blockiert den Weg und ich möchte mich nicht nochmal neu vermummen. Die nächste Pflegekraft soll’s richten. Noch zehn Minuten, bis zum Schichtende und meinem Ende des Praxisblocks. Ich bin einfach nur erschöpft, weil ich meinem eigenen Anspruch nicht entsprechen kann.

Ein dumpfer Schlag ist zu hören. Ich reagiere nicht und frage mich gerade, warum mich dieses Geräusch nicht wachrüttelte. Zu sehr abgelenkt war ich von dem Rauschen und Treiben der Station, das mit dem Zuwachs an Patienten immer mehr anschwoll. Du liegst da, mit entblößtem Unterleib, entblößten chronischen Wunden. Liegst da wie tot. Kein Laut von dir. Kein Hilferuf in den langen Sekunden, die verstrichen, bis eine junge Assistenzärztin auf das Geräusch deines Aufpralls aufmerksam machte und so tat, als wolle sie aufstehen und nachsehen, bis sie sah, das sich schon genügend andere auf den Weg machten.

Deine Stirn fügte sich der Kompromisslosigkeit des Bodens und nahm die unbarmherzige Tiefe einer möglichen Knochenfraktur auf. Zu viert hoben wir dich zurück ins Bett. So leicht du warst, so schwer stand eine großflächige Blutlache plötzlich im stillen Fokus aller, in der dein Gesicht zuvor gebettet und gebadet lag. Du redest immer noch nicht. Erst als dir Fragen gestellt werden. Du seist ausgerutscht. Kann mich nicht erinnern, ob dir irgendjemand die Frage nach Bewusstlosigkeit stellte. Wurde bestimmt gemacht. Ich wische das Blut und den in weitem Winkel ausgeleerten Urin weg. Am Unterarm eines Arztes klebt Blut. Ohne ihn vorzuwarnen, wische ich es mit weg. Er schaut mich verduzt an – „Wo kommt das denn her? Ich hab doch bloß …“ – und bedankt sich.

Beiläufig erfährt man von einem kleinen Mädchen, dass du Hepatitis hast (ein Danke an den Bundesfreiwilligendienst). Die zuständige Schwester sagt nur „Echt?“, aber informiert sich nicht weiter dazu. Ich schaue die Krankenakte genauer an. Die chronisch persistierte Hepatitis ist nicht gerade prominent beschrieben. An den wichtigen Punkten im System ist sie gar nicht erst vermerkt. Nur um sicherzugehen, weise ich die Schwester darauf hin. Die Information verändert etwas in ihrem Gesichtsausdruck und man kann Gedanken in ihrem Kopf fallen sehen. Ich verabschiede mich, nicht ohne meine Arme in brennendem Desinfektionsmittel zu waschen. Es erinnert mich an eine kleine Wunde, die ich mir aus völliger Zerstreutheit zu Dienstbeginn am Finger zuzog, als ich mit dem BUFDI-Mädchen Dienstkleidung sortierte, weil alle anderen Schüler sich zu fein dafür waren. Daran liest man meinen geringen Status ab. Meine Versuche, aus dieser Opferrolle auszubrechen, wurden geschickt abgewehrt. Profis am Werk.

Meine Empfindungen als Aktfotografie

War ich ein Profi am Werk? Definitiv nicht. Ich bin Schüler. Aber war ich wenigstens ein professioneller Schüler? Auch nicht. Der Kontakt zu diesen Patienten legte meine Unreife frei. Ich war vorurteilsbehaftet und ließ mich von Gefühlen leiten, statt rational zu bleiben, wo es angebracht gewesen wäre.

In der schulischen Ausbildung der Krankenpflege wird einem pausenlos die Haltung vermittelt, dass Patienten nichts für ihren Zustand könnten. Adipöse sind nicht einfach so adipös. Heroinabhängige sind nicht einfach so abhängig. Auf viele mag das zutreffen, doch nicht auf alle. Raubbau an Körper und Seele macht ja Spaß.
Ich habe Patienten kennengelernt, die Konsequenzen langsam auf sich zukommen sahen und nichts dagegen unternahmen. Patienten, die ihren Zustand selbst über viele Jahre ausbrüteten. Sämtliche Warnschüsse wurden ignoriert, sogar als die Kugeln immer näher einschlugen, bis sie Lunge, Herz und Hirn zerfetzten. Ist schon eigenartig, wie man vor einem echten Kugelhagel flüchten würde, Krankheiten aber die Tür weit offen lässt. Handhabt meine Familie nicht anders, z.B. mein Vater, der sein Muttermal im Gesicht nicht auf Hautkrebs kontrollieren lassen will. Was man nicht weiß, hat man nicht, bis es einem das Wissen über sein Vorhandensein aufzwingt.

Sollte dieses Verhalten der Patienten negative Auswirkungen auf meine Arbeit haben? Sollte es nicht. Und dennoch sind mir manche Patienten einfach nicht sympathisch und meine Schritte werden nicht schneller, wenn sie die Rufglocke betätigen.
Am unsympathischsten sind mir die, die ansteckende Krankheiten nicht offenlegen und damit Kollegen, mich und damit auch andere Patienten gefährden. Das Fließbandverfahren einer Notfallambulanz benötigt die Ehrlichkeit der Patienten und einen guten Informationsfluss zwischen Sanitätern, Pflegekräften, Ärzten, Angehörigen und wem sonst noch. Man will nicht jeden Patienten als potentielle Gefahrenquelle ansehen, muss es aber scheinbar. Sollte ich jemals meine Großmutter mit einer Krankheit aus der Arbeit anstecken und sie schwer darunter leiden, wenn nicht gar versterben, werde ich alle in Frage kommenden Patienten mit einer Bettpfanne totprügeln. Werde ich nicht. Aber ich würde mir bis ans Lebensende größte Vorwürfe machen, mich eventuell sogar deswegen umbringen. Oma ist noch fit, körperlich aktiv, ziemlich helle für ihr Alter. 89 Jahre (ab August) lassen sich jedoch nicht wegreden. Nächstes Jahr wird sie 90. Sie ist älter als diese drei von mir beschriebenen Patienten jemals sein werden.

~ Dieser Blog soll nicht gelesen and therefore nicht kommentiert werden. ~

Perfuktionist

Perfuktionist

Ist Perfektionismus eine Angst vor Fehlern, Angst vor Kritik, schlechter Bewertung? Ist mein „Soll“ ein „Muss“ und selbst auferlegte ewige Quelle von Leid, da das „Ist“ dieser verzerrten Realitätsvorstellung niemals entsprechen kann?

Meine Großmutter und mein Vater verknüpften ihre Liebe nicht mit meiner Leistung. Klar, vor allem Oma freute sich darüber, wie positiv ich als Kind auf andere wirkte, was ich in der Schule und auch privat alles hinbekam. Noch heute sagte sie: „Wie schaffst du denn das alles?“ Und als ich anfing in der Schule Sechser zu schreiben und sogar meine Versetzung gefährdet war, wurden sie nicht böse. Mundwinkel wurden verzogen, aber es war kein Grund für Drama.

In meinen 32 Jahren habe ich tatsächlich ein paar Dinge erreicht, war Schul- und Landkreisbester in zwei Schulabschlüssen, hatte den besten Ausbildungsabschluss in der Agentur, in der ich arbeitete. Und doch brachte es mich nicht weit. Es gibt Leute, die mit ihrem Qualifizierenden Hauptschulabschluss deutlich mehr Geld verdient haben als ich, während ich zwei Studiengänge abbrach, den Arbeitsplatz wechselte, arbeitslos herumdümpelte, von einer Beziehung in die nächste sprang und eigentlich bis heute gar nicht richtig weiß, wo ich hin will. Nirgends empfinde ich mich als „angekommen“, geschweige denn „angenommen“. Deswegen habe ich Angst, Angst davor, mein Leben zu verwirken bzw. verwirkt zu haben. Was ich dagegen tue? Natürlich nichts, was Sinn macht.

Alles soll richtig laufen. Ich sehe meine aktuelle Ausbildung und das Studium als letzte Möglichkeit, noch irgendwie Fuß zu fassen. Was ich dafür mache:

  • Überorganisieren! Ich organisiere und ordne mehr als sinnvoll ist. Das Zeit-/Nutzenverhältnis ist vollkommen verzogen.
  • Mich überarbeiten! Nicht nur einmal hörte ich von Leuten, die es wissen müssen, dass ich auf einen Burn-out zusteuere, wenn ich so weiter mache. Aber alles muss richtig laufen und fertig werden, egal ob ich bis 2 Uhr nachts arbeiten muss und im besten Fall dann nur zwei Stunden Schlaf bekomme. Dabei mache ich nicht selten mehr als gefordert.
  • Mich stressen! Vor Leistungsnachweisen, Praxiseinsätzen, unbekannten Situationen.
  • Aggressiv werden! Gegenüber Menschen, die mich aufhalten, z.B. indem sie uns fachlich und faktisch falsche Dinge unterrichten, jedoch meistens wegen mir selbst.
  • Anderen helfen! Noch bevor ich mit meinen Sachen fertig bin, womit ich natürlich Zeit verplemper. Aber irgendwie scheint es mir wichtig, auch andere mitzuziehen, die weniger können als ich. Ist doch klar, dass ich mich damit nur noch mehr aufarbeite?
  • Extrem langsam arbeiten! Ich bin langsam. War noch nie ein schneller Arbeiter und habe mich noch nie schnell bewegt, außer beim Boxtraining vielleicht.
  • Prokrastinieren! Ohne verficktes Ende. Als MÜSSE ich unbedingt meine DVD- und Blu-ray-Sammlung neu ordnen, bevor ich mich an eine Arbeit setze, die ich noch kaum angefangen habe, deren Deadline aber schon übermorgen ist. Als wolle ich mein Scheitern vermeiden, indem ich Scheitern provoziere (was ich nicht abgebe, kann nicht bewertet werden – yup, macht voll Sinn).
  • Mich schlecht machen! Egal, welche Erfolge ich feiern könnte, ich finde Gründe, warum es doch nur Zufall oder ungerechtfertigt war.
  • Nie zufrieden sein! Eine 2 ist eine Weltuntergang für mich. 1er kann ich nicht würdigen, wenn ich nicht die volle Punktzahl habe, obwohl das am Ende komplett egal ist.
  • Mich mit anderen vergleichen! Wehe ich bin nicht der Beste.

Mein Blog leidet auch darunter. Viele Beiträge bekomme ich einfach nicht fertig oder sie benötigen Tage, weil ich sie noch oft durchlesen muss, bevor ich sie online stelle.

Andere Kunstprojekte liegen brach. Ich hatte so viel vor und mache es einfach nicht. Ich beraube die Welt um meinen kleinen Beitrag. Und wenn es auch nur mir nahestehende Personen erreicht, so ist das doch genug? Das habe ich vollkommen aus den Augen verloren und dieser Blog-Beitrag hier erinnert mich daran. Ich muss mich an den Spaß erinnern, den ich dabei immer hatte und jegliche kommerzielle Interessen daran in mir zerstreuen. Mut zur Imperfektion. Deswegen, werde ich diesen Blog-Beitrag hier nicht mehr durchlesen und ergänzen, sondern ihn so lassen – mit all seinen (Denk-)Fehlern.

~ Nein, ich will nicht, dass du ihn kommentierst. ~